Amazon betritt den Versicherungsmarkt

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Kommt jetzt die Amazonierung des Versicherungsmarktes?

Amazon hat offensichtlich Pläne, verstärkt in den Versicherungsmarkt einzusteigen. Das legen Stellenanzeigen nahe, in denen der E-Commerce-Gigant nach Mitarbeitern mit Erfahrungen in der Versicherungsbranche sucht. Mit ihnen will das Unternehmen ein neues Geschäftsfeld aufbauen. In den Management-Etagen der Gesellschaften in der Assekuranz dürften die Alarmglocken schrillen.

Die Berichterstattung überschlägt sich. Mit dem Einstieg von Amazon drohe jetzt die Disruption der nächsten Branche. Dabei wird übersehen, dass Versicherungen für Amazon nicht neu sind. Bereits seit 2016 bietet der Alleshändler Amazon Protect an.

In Zusammenarbeit mit dem Versicherungsunternehmen Ergo können Kunden die Garantieleistungen beim Kauf von Unterhaltungselektronik, Handys oder Haushaltsgeräten verlängern. Ein lukratives Geschäft, dem längst alle größeren Elektronikhändler frönen. Die aktive Personalsuche deutet darauf hin, dass Amazon daran Gefallen gefunden hat.

Viel Raum für Spekulationen

Nun hat es bei Amazon Tradition, dass das Unternehmen Gerüchte nicht kommentiert und Dienste erst öffentlich vorstellt, wenn diese verfügbar sind. Entsprechend viel Raum nehmen Spekulationen beim Thema Versicherungen ein.

Amazon ist im Kern ein Handelsunternehmen und tritt nahezu nie als Hersteller in Erscheinung. Ausnahmen sind hier die unter “Amazon Basics” vertriebenen Produkte und eine eigene Modelinie. Diese stellt das Unternehmen aber nicht her, sondern versieht sie lediglich mit seinem Markennamen.

Rüttelt das Unternehmen nicht am Kern seines Geschäftsmodells, ist es somit eher unwahrscheinlich, dass Amazon zum Versicherungsunternehmen wird. Es müsste die damit verbundenen Risiken tragen, Rückstellungen bilden und einen Rückversicherer finden, der die Risiken eines Newcomers in einem ohnehin stark besetzten Markt übernimmt.

Viel wahrscheinlicher dürfte also sein, dass Amazon sich auf die Vermittlung von Versicherungen fokussieren wird. Und damit seine Rolle als Händler beibehält.

Amazon dürfte zum Makler werden

Der Versicherungsmarkt in Deutschland ist stark reglementiert. Wer gewerbsmäßig Versicherungen vermitteln will, benötigt nicht nur eine Erlaubnis, die an einen Nachweis der Sachkunde gekoppelt ist.

Nach der gesetzlichen Verordnung zur Vermittlung von Versicherungen muss die Beratung des Kunden umfangreich dokumentiert werden. Mit anderen Worten muss der Makler nachweisen, warum er einem Kunden in dessen Lebenssituation die jeweilige Versicherung empfohlen und vermittelt hat.

Als Makler agieren auch die zahlreichen Vergleichsplattformen im Internet. Den meisten Kunden dürfte dies nicht sofort auffallen. Erst wenn die Kunden im Antrag in reinstem Juristendeutsch um die Zustimmung zum Beratungsverzicht gebeten werden, ist die Maklereigenschaft sichtbar.

Angeboten werden online in erster Linie Versicherungen aus dem SUHK-Segment (Sach-, Unfall-, Haftpflicht- und KfZ-Versicherungen). Dafür gibt es gute Gründe: Zum einen schließen die Kunden diese auch ohne weitergehende Beratung aufgrund der geringen Beiträge selbst ab. Die Abwicklung der Anträge ist schnell und gut automatisierbar.

Genau hier dürfte Amazon einsetzen.

Die Hausratsversicherung für Prime-Mitglieder?

Der Einstieg von Amazon in die Vermittlung von Lebens- oder Krankenversicherungen ist unwahrscheinlich. Die Produkte sind zwar margenträchtig, aber beratungsintensiv und verursachen viel Arbeit.

Denn bevor eine Absicherung des Kunden in Frage kommt, müssen dessen biometrische Risiken begutachtet werden. Außerdem besteht hier ein hohes Stornorisiko für den Vermittler, der im Zweifel die erhaltene Provision an den Versicherer erstatten müsste.

Amazon sieht sich immer als Problemlöser seiner Kunden und will möglichst bequeme Dienstleistungen anbieten. Und es gibt wahrscheinlich kaum ein Unternehmen, das über eine so umfassende Datenbasis seiner Kunden verfügt. Gerade damit ergeben sich tatsächlich interessante Produktansätze.

So wäre denkbar, dass die Mitglieder von Amazon Prime (das bekannte Kundenbindungsprogramm) eine Hausrat- oder Glasbruchversicherung gleich mitbuchen könnten. In Kooperation mit einem oder mehreren Versicherern natürlich.

Was in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden darf. Amazon ist global eines der innovativsten IT-Unternehmen. Und genau an Automatisierungen und Vereinfachung mangelt es in der Assekuranz noch an vielen Stellen.

Mit einer Intensivierung seiner Bemühungen im Versicherungsmarkt wird Amazon diesen nicht gleich aus den Angeln heben. Aber für den klassischen Makler wird das Geschäft wohl schwieriger. Und für die Versicherungsgesellschaften im Zweifel auch teurer. Denn als leichter Verhandlungspartner ist Amazon nicht bekannt.

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